




























GEFÄSS, Blau-weißes Porzellan mit grasmuster, Joseon-Dynastie(1392–1897 n. Chr.)
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Dieses Stück ist ein blau-weißes Porzellan-Gefäß aus dem 18. Jahrhundert, das aus dem Buninri-Amtsofen der Joseon-Dynastie stammt. Es weist eine harmonische ovale Form mit einem sanft gerundeten Körper und einem stabilen, geraden Hals auf, der mit einem Grasmuster verziert ist, das den Schulterbereich umschließt. Das zarte Spiel von Licht und Schatten auf dem sanft gerundeten Gefäß, zusammen mit dem exquisiten Gleichgewicht von blassem Blau und weißem Porzellan, schafft eine poetische Atmosphäre. Der gedämpfte hellblaue Farbton spiegelt die Knappheit des Kobaltfarbpigments in dieser Zeit wider und verleiht ihm zusätzlichen Charme.
Die Technik der Unterglasurmalerei wurde im 15. Jahrhundert während der Yuan-Dynastie aus China nach Korea eingeführt und war zunächst nur für königliche Hofgaben reserviert. Ab dem 18. Jahrhundert wurde die Massenproduktion in offiziellen Öfen möglich, was zur Entstehung eines Stils führte, der florale Motive elegant vereinfacht, wie man an diesem Gefäß erkennen kann. Die ungeschmückte Schönheit seiner Form spricht Bände und unterscheidet es von den Keramiken des zeitgenössischen China und Japans. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass Maler, die aus der Hauptstadt entsandt wurden, den Körper während der späten Joseon-Zeit mit Mustern dekorierten. Die Stabilität der bildlichen Komposition und die zurückhaltende Pinselstrichführung sind charakteristische Merkmale des Buninri-Amtsofens. Die bescheidene, aber selbstbewusst ausgeführte Unterglasurdekoration verbindet konfuzianische Zurückhaltung mit dem poetischen Wesen der Natur und präsentiert eine einzigartige Welt, die den Geist der Joseon-Dynastie widerspiegelt.
Subtile Flecken, bekannt als Craquelé oder Regenlecks, sind über den Körper und unter der Glasur verstreut und zeigen Spuren der Natur, die im Laufe der Zeit allmählich durchgedrungen sind. Der Rand weist sorgfältige, alte Reparaturen auf, während die Basis eine rustikale, sandige Textur zeigt, die mit Feldspat vermischt ist und nicht nur die Präzision des Ofens, sondern auch den handwerklichen Hintergrund widerspiegelt. Elemente, die als Mängel wahrgenommen werden könnten, verwandeln sich in Ausdrucksformen von wabi-sabi, die mit der Spiritualität der Joseon-Dynastie in Resonanz stehen.
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Das Schönheitsverständnis jener Zeit legte den Fokus nicht auf äußeren Glanz oder technische Raffinesse, sondern auf Formen und Gestalten, die das Innere des Menschen leise unterstützen. Alltagsgegenstände und Möbel waren nicht bloß Werkzeuge des Gebrauchs, sondern könnten als „Dojo“ verstanden werden – Orte der inneren Übung, die das Verhalten und die Geisteshaltung im Alltag ordneten. Schlichte Gefäße im Studierzimmer eines Gelehrten, einfache Schreibtische, ungeschmückte Pinselhalter – all dies war nicht nur Objekt des Blicks, sondern zugleich Spiegel der eigenen Haltung und Gedanken.
Dass die kunsthandwerklichen Erzeugnisse aus der Joseon-Zeit eine „zurückhaltende Präsenz“ besitzen, ist kein Zufall. Sie entstanden mit der Absicht, sich mit der menschlichen Geisteshaltung in Einklang zu bringen – nicht, um den Betrachtenden zu überwältigen, sondern um mit ihm zu atmen, ihn still zu begleiten und auszubalancieren.
Im Fall des weißen Porzellans etwa wurden unbeabsichtigte Phänomene – wie feine Fließspuren der Glasur, das leichte Zittern des Tones oder kleine Asymmetrien der Form – als ästhetisch gültig akzeptiert. Darin lebte ein Geist der Annahme, der sich grundlegend vom modernen Schönheitsideal der Perfektion und Gleichförmigkeit unterschied. Diese Haltung stellte die Grenze zwischen Natur und Mensch, zwischen Schönheit und Unvollkommenheit, zwischen Objekt und Geist infrage – und kann durchaus als Ausdruck eines ganzen Zeitgeistes verstanden werden.
Man könnte sagen, dass die Schönheit der Joseon-Zeit keine „Demonstration“, sondern eine „Resonanz“ ist. Es geht nicht um die bloße Anziehungskraft eines Objekts, sondern um dessen Fähigkeit, einen Denkraum zu eröffnen – einen Anlass, über das eigene Menschsein nachzudenken. Deshalb dürfen Dinge nicht „zu viel sprechen“; sie müssen Stille, Leere und Zwischenräume in sich tragen. Eine solche Denkweise scheint im Wesen des damaligen Kunsthandwerks verankert zu sein.
Diese Werte fanden schließlich auch ihren Weg über das Meer nach Japan und ließen sich dort tief verwurzeln. Besonders in der Welt des Teewegs (Chanoyu) wurden Joseon-Porzellane und Buncheong-Waren bereits in der späten Momoyama-Zeit (Ende 16. Jahrhundert) geschätzt. Ihre schlichte und stille Ausstrahlung wurde als Alternative zur Strenge chinesischer Importwaren empfunden. Das ästhetische Ideal des „dem Ungesagten lauschen“, das dem Teeweg zugrunde liegt, harmonierte tief mit dem Schweigen und der Unvollkommenheit der Joseon-Gegenstände – und schuf eine Blickrichtung, die im „Wabi-Sabi“-Geist wurzelt.
In der Moderne schließlich entdeckten Denker der Mingei-Bewegung wie Yanagi Sōetsu und Kawai Kanjirō in den Werken aus Joseon „eine Kraft, die den Menschen reinigt“ sowie „eine Form des Lebens, wie es sein sollte“. In einer Zeit, in der das Handwerk in Vergessenheit zu geraten drohte, galten diese Objekte nicht nur als alte Artefakte, sondern wurden als Spiegel einer existenziellen Haltung tief geschätzt und geehrt.
Wenn ich heute einen kunsthandwerklichen Gegenstand aus der Joseon-Zeit berühre, bewegt mich dessen Stille erneut. In ihm lebt der Geist einer Epoche fort, die fragte, wie der Mensch leben und wie er sein sollte – und diese Stimme klingt bis heute unverkennbar nach.
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